Weltumsgelung Teil 3

 

 

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FÜNF JAHREN AUF DEN WELT MEEREN

 

Teil 3  

Die Strecke von Kap York in Australien bis nach Hause kostete mich viel Mut und Entschlossenheit. Manchmal war ich der Lage gewachsen und manchmal nicht und versank dann in ein seelisches Tief, von dem ich dachte, ich würde nie wieder rauskommen können. Auf dem Weg nach Darwin brach eine wichtige Aluminium-Stange in meiner Windsteueranlage. Im „Outback“ gab es  keine neue. Eine Notreparatur hielt aber den ganzen Weg bis nach Hause! Darwin in Australien ist eine Stadt mit einem „westlichen“ Standard, sie ist aber auch eine Stadt in den Tropen. Am Abend vor meiner Abreise wickelte sich meine Ankerkette bei Niedrigwasser um ein Hindernis in 9 Meter Tiefe, und ich musste tauchen, um sie zu befreien. Die Stadt hatte in dem Jahr zwar schon über 200 Krokodile aus dem Hafenbecken gefangen und in einem Naturpark angesiedelt! Aber es gab noch genug andere! Tauchen mußte ich so oder so!! Diese Mutprobe habe ich überstanden und konnte danach weiter nach Indonesien segeln.

23. Oktober 2000

Position: 8.4 Süd 119.39Ost.

Windstille.

1745Uhr. Geankert in 8 Meter in der Bucht von Lehok Uwara Dasam auf der Insel Rindja. Auf dem Strand sind Ziegen, Schweine und ein riesiger Komodo-Waran

Von meiner Ankunft in Indonesien bis Ägypten lebte ich 19 Monate lang im Schatten des Muezzins. Es war eins der schönsten Erlebnisse dieser Strecke, jeden Morgen vom Muezzin geweckt zu werden. Von der Insel Rindja bis Bali ging ich jeden Abend vor Anker, aber nach Bali wollte ich, zusammen mit meinen Kameraden auf zwei anderen Booten, „Non Stop“ nach Singapur. In der Javasee erlebte ich einen der schlimmsten Tiefpunkte meiner Reise. Ich musste eine Woche lang gegen einen starken Wind und eine starke Strömung kämpfen. Ich kam überhaupt nicht voran, und fühlte mich wie der "Fliegende Hollande", verloren und verdammt.

29. November 2000

Position: 4.03Süd 109.08Ost.

Wind: NNW Stärke 6. Regenschauer.

0351Uhr. Kann nicht schlafen. Ich fühle mich wie der Fliegende Holländer, der nie wieder an Land kam.

Mein Autopilotsystem funktioniert wieder nicht! In einer Nacht im Südchinesischen Meer verfing sich der Propeller in einem Fischernetz. Es gelang mir freizukommen, aber von dem Moment an hatte ich Probleme mit meinem Getriebe am Motor. Weihnachten  verbringe ich in Sabana Cove in Malaysia, östlich von Singapur. Kurz danach fliege ich nach Bangkok, um Hanna zu treffen, und für vier schöne Wochen kann ich den Stress, den ich bis jetzt gehabt habe, vergessen. Anfang Februar 2001 geht es weiter, aber schon fängt die Pechsträhne wieder an! Beim Schließen der Anker-Luke bricht das Glas! Eine Reparatur ist erst in Langkawi, Malaysia, möglich. In der Malakkastraße muss ich, um den Propeller von Tauen und Netzen zu befreien, während der Fahrt mehrmals tauchen. Am vorletzten Tag in Langkawi bringe ich einen Mann mit meinem Beiboot vom Land zu seinem Schiff und reiße an seiner Bordleiter ein großes Loch in mein Beiboot!

24. Februar 2001

Position: 6.09Nord 99.29Ost.

Wind: NNW Stärke 4.

1701Uhr. Gutes Segeln, obwohl ich den Kurs nicht halten kann.

1840Uhr. Entdeckte elektrisches Feuer an Bord um 1800Uhr! Drähte vom Dieseltank sind ausgebrannt. Das Feuer erzeugte sehr viel Rauch. Da ist ein Kurzschluss, und ich kann den Batteriehauptschalter nicht einschalten.

Ich war über 30 Seemeilen von Land und auf dem Weg nach Sri Lanka, als dies geschah. In der Nacht segelte ich nach Malaysia zurück ohne Navigations-Lichter und ohne Navigationsgeräte. Auch den Motor konnte ich nicht starten. Es dauerte drei Wochen, bis ich die Folgen des Brandes beseitigt hatte. Ich startete noch mal und kam in 6 Tagen nur bis zu den Nicobar-Inseln. Der Monsun hatte sich schon gedreht. Ich kehrte mit schwerem Herzen zurück und war in 3 Tagen wieder in Rebak Marina, Langkawi, Malaysia. Jetzt war ich dort gefangen bis Januar 2002. Ich habe KARMA aus dem Wasser holen lassen und habe zahlreiche Reparaturen gemacht. Zwischendurch flog ich nach Sri Lanka um Hanna dort zu treffen zu 4 Wochen Landurlaub.

Im Januar 2002 machte ich den nächsten Versuch, über den Indischen Ozean zu kommen.

24. Januar 2002.

Position: 6.09Nord 82.48Ost.

Wind: ONO Stärke 4 Gewitterböen.

0929Uhr. Schiff ist vom Blitz getroffen worden. Habe die Wind- und Log-Instrumente verloren!

In Galle, Sri Lanka ersetze ich die Bordbatterien, und dann geht es weiter zu den Malediven. Die Orte in Malaysia, Sri Lanka und auf den Malediven, wo ich damals war, sind alle  im Dezember letzten Jahres vom Tsunami, weggefegt worden! Damals dachte ich, ich hätte Pech, aber das war gar nichts gegen das, was die armen Menschen heute erlebt haben.

In Aden, Yemen, mache ich eine kurze Pause, um nach 1770 Seemeilen und 15 Tagen auf See zu schlafen und mich zu erholen.

Nach weiteren 12 Tagen komme ich am frühen Morgen in Safaga, Ägypten, an und will am Abend weiter segeln. Die Behörden verlangen von mir, daß ich von einem Büro zum anderen wandere, um die verschiedenen Stempel und Erlaubnisse zu bekommen. Es dauert den ganzen Tag. Schließlich haben die Briten  den Ägyptern die Bürokratie beigebracht! Ich habe aber festgestellt, daß die Araber das zu einer Kunst entwickelt haben!

11. März 2002

Position: 26.44Nord 33.56Ost. Safaga Hafen

Wind: Ost Stärke 1.

1824Uhr. Beim Einstellen des  Rückwärtsganges drehten sich der Propeller  und die Welle aus dem Boot! Wasser in großen Mengen lief ein.

Ich musste über Bord springen, um den Propeller von außen wieder ins Boot zu drücken. Ich konnte erst am anderen Morgen weiter, denn jetzt war ich zu erschöpft. Auf dem Weg nach Abu Tig Marina, El Gouna, in Ägypten, fiel der Wind-Generator vom Besanmast und schlug einen halben Meter neben mir auf das Deck! Ich hätte tot sein können! In Luxor traf ich Hanna, und wir haben eine Reise durch Oberägypten gemacht. In der Wüste auf dem Weg nach Abu Simbel flog ich von einem Kamel und brach mir wieder eine Rippe! Leider konnte ich vor lauter Schmerzen nicht darüber lachen!

Claus, der deutsche Medizinstudent aus Herford, der am Anfang meiner Reise dabei war, besuchte mich, nachdem ich von Oberägypten zurückgekommen war, und wollte bis ins Mittelmeer mitsegeln.

12. Mai 2002.

Position: 29.24Nord 32.42Ost.

Wind: Nord Stärke 2-3.

1017Uhr. Getriebe am Motor funktioniert nicht im Vorwärtsgang.

Wir waren noch 75 Seemeilen von Suez entfernt und mussten in leichten Winden segeln, bis wir endlich ankamen. Zuallerletzt haben wir uns selbst mit meinem Beiboot bis in den inneren Hafen von Suez geschleppt. Es dauerte 3 Wochen, bis ich eine Lösung zu dem Getriebe-Problem gefunden hatte. Claus musste leider zurück zu seinem Studium, und so verließ er mich in Suez. Als ich endlich im Mittelmeer ankam, merkte ich, dass mein Motor keine Kraft mehr hatte. So brauchte ich 17 Tage bis Malta. Nach Malta mußte ich in Cagliari, Sardinien, noch einen Halt machen, weil der Motor nicht mehr ansprang. Mit den zwei Mechanikern, die mir halfen, konnte ich mich nur mit Händen und Füßen verständigen. Sie fanden mich „simpatico“, was auch immer das hieß, und schenkten mir 9 Flaschen Rotwein, gaben mir aber trotzdem eine Rechnung von €200!  Ungefähr 300 Seemeilen vor Gibraltar gab der Motor endgültig seinen Geist auf. Für 4 Tage mußte ich auf alle elektronischen Instrumente verzichten und segelte jetzt, wie Kolumbus es vor mehr als 500 Jahren  tat, bis nach Gibraltar.

In Gibraltar baute ich einen neuen Motor ein. Hier erlebte ich den letzten seelischen Tiefpunkt und den schlimmsten überhaupt. Ich machte mir Sorgen um das Geld, was ich jetzt noch investieren musste und nicht hatte, ich war besorgt um die Zeit, die mir jetzt weglief und mich zwang, so spät in der Saison durch die Biskaya zu segeln. Deshalb hatte ich  tierische Angst, ich würde Hanna nie wieder sehen.

5. November 2002.

Position: 37.22Nord 10.58West.

Wind: NNO Stärke 4-5

2047Uhr. Habe meinen Kurs nach Süden von Oktober 1998 gekreuzt! Jetzt bin ich ein Weltumsegler! Habe dieses Ereignis mit einer kleinen Flasche Champagner zelebriert. 

Poseidon und KARMA haben das Meiste vom Champagner bekommen, denn sie hatten es mehr verdient als ich. Je nördlicher ich segelte, je kälter wurde es jetzt. Für jeden Breitengrad nördlicher habe ich eine extra Lage Kleidung anziehen müssen.

14. November 2002

Position: 50.02Nord 4.18West.

Wind: Ost Stärke 6

0139Uhr. Sturmwarnung empfangen. Ich bete zu Gott, dass ich dieses überleben werde.

Position: 50.00Nord 4.20West.(Im Ärmelkanal ca. 70 sm südlich von Plymouth, England.)

Wind: Südwest Stärke 10+. Starker Regen.

0342Uhr. Beigedreht. Die schlimmste Nacht meines Lebens auf See.

 Der Lärm des Sturmes ist fürchterlich. An Deck, beim Reinholen der Segel, musste ich um mein Leben fürchten. Ich konnte nicht aufrecht gehen und mußte mich auf allen Vieren nach vorne kämpfen. Meine KARMA nimmt das Ganze gelassen hin und liegt ein bisschen schräg, aber ruhig da. Eine Salinghalterung  bricht vom Mast ab, und ich lasse sie in Torquay, England, der Partnerstadt von Hameln, reparieren. Am 28. November 2002 laufe ich „über Top getakelt“, das heißt mit allen Fahnen der Länder, die ich besuchte, am Mast, in Portsmouth, KARMA’s Heimathafen, ein. Die Reise um die Welt ist hier für mich offiziell beendet. Erst im Februar 2003 segele ich weiter, um endlich auf das europäische Festland zu kommen.

  Ich wurde 2003 für diese Weltumseglung als "besonders verdienstvoll" vom Ocean Cruising Club mit der „Rose Medal“ ausgezeichnet. "Trans-Ocean", dem Verein zur Förderung des Hochseesegelns e.V., hat mich am 20. November 2004 in Cuxhaven die Weltumsegler-Auszeichnung 2004 und für "hervorragende hochseeseglerische Leistung" die "Trans-Ocean" Medaille 2004 verliehen. Für mich ist das die Krönung des Abenteuers.

 


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