Ein Schluck für Rasmus

 

 

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Eine Landratte auf Nordsee-Segeltörn.

„Sei gegrüßt, lieber Rasmus! Bescher’ uns einen schönen Segeltag mit Sonne und gutem Wind! Dazu immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!" Mit diesem Spruch begann jeder neue Segeltörn, dann wurde ein Schluck Rum ins Wasser geschüttet, der Skipper nahm einen Schluck, anschließend jedes einzelne Crew-Mitglied. Ob es geholfen hat? Nun, manchmal mehr, manchmal auch weniger.

2 Wochen war ich Mitglied der Crew an Bord der Segelyacht „ K A R M A", mit der unser Skipper

A L A N  T Y S O N - C A R T E R von Sommer 1998 bis Winter 2002 allein um die Welt gesegelt ist.

Die Crew :Hubert, Jürgen, Erwin und Gerhard. Für mich war es als Einzigem die erste Begegnung mit dem Segeln.

Das Schiff: Die „Karma" ist ein sturmerprobtes Segelboot von ca. 12 m Länge und 3,45 m Breite. Gebaut aus Stahl mit einem Gewicht von 16,5 t. Da braucht es schon einigen Wind um es in Bewegung zu setzen.

Der Skipper: Alan Tyson-Carter ist Brite, in Deutschland geboren und teilweise auch zur Schule gegangen. Er war 27 Jahre Offizier bei der britischen Armee und anschließend wegen seiner guten Deutschkenntnisse Verbindungsoffizier in Verden und 4 Jahre in Hameln.

Für seine Verdienste um die Segelei wurde er mehrfach mit hohen Auszeichnungen geehrt.

Soweit der Überblick. Aber wie fing das alles an ?

Anfang April ruft Erwin an:" Sag mal, Gerhard, bist du eigentlich schon mal gesegelt?"

Meine Antwort. „Ja, mit einer „Sunflower" auf dem Humboldtsee!"Auf seine Frage, ob ich Lust zu einem einwöchigen Segeltörn auf dem Ijselmeer hätte antworte ich spontan mit Begeisterung. Das hätte ich mir schon lange mal gewünscht. Von allen Seiten werden mir von da ab viele gute Ratschläge erteilt...

Da kommt Anfang Juni der Anruf: „Wir haben die Möglichkeit , mit dem Weltumsegler Alan Tyson-Carter 2 Wochen auf der Nordsee zu segeln!" Natürlich sage ich zu! Es fehlt noch ein weiterer Teilnehmer. Ich rufe Jürgen an, der gerade auf Fehmarn Urlaub macht, der ist auch sofort begeistert. Zweimal treffen wir 4 uns, um die Einzelheiten zu besprechen.

Dann ist es soweit: Das Abenteuer Nordsee kann beginnen!

Montag, 18. Juli treffen wir uns um 7 Uhr in Hameln. (Der Skipper ist schon in Vlissingen und wartet auf uns.) Erwin hat sein Auto zur Verfügung gestellt, um 7.15 Uhr Abfahrt und bald schon das erste Hindernis: Stau im Raum Duisburg, fast 2 Stunden Verzögerung. Danach geht es flott weiter durch Holland, weiter durch Belgien und wieder weiter in Holland.

Gegen 15 Uhr erreichen wir den Hafen von Vlissingen, Alan steht schon draußen und winkt uns herein. Es stehen Karren bereit, mit denen wir das Gepäck zum Schiff bringen. 15.30 Uhr sitzen wir zur ersten Kaffeetafel im „Salon" . Dann muss erst mal unsere Ausrüstung für die nächsten 2 Wochen verstaut werden, soweit das möglich ist. Die „Zimmeraufteilung" ist folgende: Erwin und ich schlafen im Bug, es scheint ziemlich eng, -aber es zeigt sich ,dass wir hervorragend schlafen können. Hubert und Jürgen belegen die Sitzbänke im Salon.

Das Auf- und Absteigen vom Schiff ist problemlos, der Weg zu den Waschräumen ist ca. 300 m über Stege. Vlissingen ist ein „ Dockhafen", das heißt, im Hafen ist der Wasserstand immer gleich. Einfahrende Schiffe werden über eine Schleuse hoch- bzw. heruntergefahren.

Als erste Einführung zeigt Alan uns das Schiff mit all seinen Segeln, Tauen, Fallen, Winschen, Schot, Fock, Genua...,die Begriffe finden noch keinen Halt in meinem Kopf, aber das wird schon noch! Auch die Seetoilette bedarf einer besonderen Erklärung, aber davon später. Obligatorisch ist auch das Anlegen der Rettungsweste auf See, daran eine ca. 1 m lange „Lifeline" zum Einklinken in Haken bzw. einer festen Halterung entlang des Decks.

Dann kommt das, wovon Erwin immer gesprochen hat: Wir sitzen an Deck mit einer Dose Bier und knabbern Kekse...

Gegen 19.30 Uhr gehen wir in das „Hafenrestaurant" zum Abendessen. Jürgen und ich essen leckere Rippchen, in gemütlicher Runde sitzen wir bis gegen 23 Uhr, ehe die erste Nacht an Bord anbricht. 23.45 Uhr ist es,als die Licht auf der Karma verlöschen.

Dienstag, 19. Juli 2005 . Das Ziel heißt Seebrügge.

Da der Tagestrip wegen der Tidenverhältnisse erst am Nachmittag beginnt, ist Bettruhe bis um 8 Uhr angesagt, so dass genügend Zeit zum Waschen und Duschen bleibt. 9.30 Uhr ist der Frühstückstisch bereit und reichlich „beladen". Es fehlt an nichts, sei es Wurst, Schinken, Honig, Marmelade, für Erwin (und auch für die Anderen) steht Müsli mit Banane bereit.

Kaffee, Tee und Orangensaft machen die Sache perfekt. Erwin und ich haben uns dann auf die Socken gemacht, um Vlissingen etwas näher zu erkunden. Ein schöner Weg führt uns in die Stadt mit einer schönen ,lebhaften „City". In einer Apotheke finden wir „Oropax",--man weiß ja nicht...Gegen 12.30 Uhr melden wir uns an Bord zurück. Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind legen wir um 14 Uhr zum ersten Törn ab, fahren durch die Schleuse ins offene Meer.Und dann beginnt eine Fahrt, von der wir noch oft sprechen werden. Angekündigt waren Windstärken 5 – 6 , in Böen 7, es wurden aber bald höhere Geschwindigkeiten gemessen, in Böen bis 8 !

Weil das Wetter aber sonnig ist meine ich auf die Gummihose verzichten zu können.... doch dann gibt es den ersten richtigen Brecher über die Reling, nun bin ich nass und brauche keine Gummihose mehr. Die Schräglage des Schiffes ist schon ganz schön, so richtig ruhig sitzen, daran ist nicht zu denken. Der Wind kommt direkt von vorn , so dass man kreuzen muss, dadurch werden aus den normalerweise 17 Seemeilen (ca. 30 km) insgesamt 37(!) Seemeilen.

Erwin und Jürgen sind immer fest mit eingespannt, für mich bleibt da nicht viel übrig, ist auch nicht so schlimm. Diese „Seemannsarbeit" ist wohl doch nichts für mich...

Nach 2 Stunden ,gegen 16 Uhr , Jürgens überraschte Stimme: „Wir haben ein Schlauchboot an der Leine, das bläst sich gerade auf!" Ein Blick von Alan:" Oh, shit! Das ist unsere, Rettungsinsel! Die ist über Bord gespült worden! Die müssen wir einfangen!" Nun versuchen beide mit der Leine den „Ausreißer" heranzuziehen, vergeblich,- das Seil reißt und die Insel treibt schnell ab. Mit mehreren Wendemanövern wird versucht, an die Insel heranzukommen, einer muss sie immer im Auge behalten, in den hohen Wellen ist sie teilweise nicht auszumachen. Nach mehreren weiteren Versuchen, bei denen Hubert als Steuermann ganze Arbeit leistet, gelingt es das Boot mit einem Enterhaken heranzuziehen. Nun muss es noch an Bord gezogen werden- das gelingt! Mit vereinten Kräften wird es an Deck gehalten und mit mehreren Seilen festgezurrt. Zum Unglück ist es nicht möglich, die Luft herauszulassen, das hätte die Sache sicher vereinfacht. Nach knapp 2 Stunden schließlich können wir die Fahrt Richtung Zeebrügge fortsetzen. Zwischenzeitlich ist auch ein Boot der Küstenwache gekommen und kann von Alan beruhigt werden. Wenn das Boot abgetrieben wäre, hätte man evtl. nach Überlebenden gesucht.

Gegen 20.45 Uhr laufen wir in den Hafen von Zeebrügge ein. Dies ist ein „Tidehafen", d.h. man kann bei jeder Wasserhöhe einfahren, es muss nur tief genug sein, bei einem Tiefgang unseres Schiffes von 1,90 m ist auch das nicht überall möglich. Der Hafen ist überfüllt, so dass wir als „Päckchen" an einem anderen Schiff anlegen müssen, über das wir dann an Land können . Zum Abendessen bereitet Alan für uns leckere Spaghetti mit Tomatensoße. Den Abend beschließt eine gemütliche Runde , es wird geklönt, etwas getrunken und um ca. 1 Uhr nachts kehrt auf der „Karma" Nachtruhe ein. Es macht wohl die gesunde Seeluft: Wir schlafen bis morgens um 8.30 Uhr.

Mittwoch, 20. Juli 2005. Ein Ruhetag in Zeebrügge.

Heute steht eigentlich die Überfahrt nach Dover auf dem Programm, das Wetter ist auch sehr gut, aber der Wind ist leider für uns zu stark, schließlich wären das ca. 80 Meilen /Ca..144 km

So wird also ein Ruhetag „verordnet", auch nicht schlecht. Es wird lande und ausgiebig gefrühstückt bis 11 Uhr .Nun ist auch Zeit, die Rettungsinsel so zu entlüften, dass sie unter die Haube passt, aus der sie „geflüchtet" ist. Nach viel Arbeit ist sie wieder an Bord und wird festgezurrt. Inzwischen können wir den Liegeplatz wechseln und direkt am Steg anlegen. Nun haben wir auch wieder Strom und können besser von Bord gehen. Darüber hinaus wird das Schiff einer „Generalreinigung" unterzogen. 14.30 :Kleine Zwischenmahlzeit mit Brot etc.

Am späteren Nachmittag gehen Erwin und ich mit Alan einkaufen. Erstes Ziel ist ein Fischladen. Ich weise Alan auf Viktoriabarsch hin, den kenne ich –und der ist im Angebot. Er befolgt den Rat und bestellt: „I need some fish for five hungry men!" 1.5 kg werden eingepackt, dazu noch für jeden 3 Garneelen, das verspricht einen tollen Abend! Am Abend kommt Besuch an Bord: Bekannte von seiner Weltreise , die er das letzte Mal in Tonga gesehen hat. Unser leckeres Abendessen wird um 19.30 Uhr gereicht, ein Hochgenuss!

Danach ein weiterer Besuch: Der Mann der Frau vom vorherigen Besuch brachte eine Flasche Rotwein mit: Er hat heute Geburtstag. Es wird noch ein langer Abend, erst um 1 Uhr wird geschlafen

Donnerstag-Samstag , 21.-23. Juli 2005 : Auf nach Dover!

Die Abfahrt ist auf 17 Uhr festgelegt. Für mich als „Landratte" zeigt sich erst einmal, wie sehr Ebbe und Flut auf die Seefahrt Einfluss nehmen. Es ist ja nicht so, dass das Wasser einfach steigt und fällt, das Meer fließt ständig mit ca. 2 bis 2,7 Meilen/Std. ( 3,6 – 5 km/h !). Sollte man also gegen die Tide (so heißt das Fließen) segeln wollen, müsste man praktisch gegen den Strom fahren. Wieder was dazugelernt... So haben wir also viel Zeit zum Waschen und Frühstücken, es gibt sogar frische Brötchen. Noch ein kurzer Einkauf mit Alan am Nachmitmittag, um 15 Uhr noch einen Imbiss ein in Form der Brötchen, die Jürgen massenweise geschmiert hat. Die müssen ja auch für den Abend und die Nacht reichen, vor morgen früh werden wir nicht in Dover sein. Nachdem alle Vorbereitungen erledigt sind kann`s losgehen.

Übrigens: Beide Sitzbänke im „Salon" werden mit „Anti-Herausfallplanen" gesichert, damit nachts jemand da stundenweise schlafen kann.

Diesmal wird alles an Ölzeug angeogen was greifbar ist: Unterhose-Jogginghose-Gummihose Unterhemd-Hemd- Joggingjacke- Windanorak-, darüber die Rettungweste, Mütze und Kapuze!! 17.15 Uhr: Der Tagestörn beginnt. Zunächst machen wie unter Segeln gute Fahrt, aber der Wind lässt im Laufe des Abends immer mehr nach, gegen 21 Uhr müssen wir den Motor nehmen und diesen für die nächsten Stunden nutzen. Damit das Deck immer genügend besetzt ist, werden Jürgen und Hubert um 23 Uhr zum Schlafen „abgeordnet", für etwa 3 bis 4 Stunden. Erwin und ich verzichten zunächst auf Schlaf, vielleicht ist auch alles zu aufregend, jedenfalls sind wir nicht müde. Wir suchen verzweifelt den Mond, aber der lässt sich nur sporadisch sehen. Es ist schon ein eigenwilliges Gefühl, so bei Nacht über die Nordsee zu schippern, auch eine tolle Erfahrung. Um 3 Uhr legen wir uns auch hin, zunächst geht das mit der ruhigen Motorfahrt ganz gut, dann aber wird wieder gesegelt so gegen 3.30 Uhr, das Boot liegt schräg und man wird seitlich gegen die Umrandung gedrückt, aber es gelingt bis 6.30 Uhr zu schlafen.Alan hat zwischenzeitlich eine Nudelsuppe bereitet, die im Cockpit verspeist wird. Die Fahrt dauert dann noch bis 11.45 Uhr am Freitag, dann laufen wir nach 18,5 Std. im Hafen von Dover ein. Nach dem Anlegen und Festmachen geht es erst mal zur „Morgenwäsche",kurz nach Mittag. Das Frühstück ist aber nicht vergessen. Um 15 Uhr wird ein Original-Englisch-Frühstück serviert: Bohnen, Rührei, gebratener Speck, Würstchen, Klößchen, Marmelade, Honig und Toast. Der spätere Nachmittag ist für den „Landgang" vorgesehen, Jürgen, Erwin und ich machen uns auf den Weg in die Stadt. Natürlich darf ein Besuch in einem Pub nicht fehlen: 3 verschiedene „Halfpints" (ca. 0,28 l) werden verköstigt und für recht gut erklärt.

Nach der Rückkehr noch einen Gang auf die große Mole, dort beobachten wir die Ausfahrt einer riesigen Katamaran-Fähre. Später gehen wir 3 noch einmal los zu einem indischen Restaurant. Von da aus rufen wir Alan und Hubert an, die dann zu uns stoßen und mit uns essen.Die Zeit in England ist eine Stunde hinter unserer zurück, 23 Uhr zeigt die neue Zeit, das Bett ruft...

Ende der Bettruhe : 9 Uhr am Samstag, 11.30 Uhr Ende des Frühstücks und meiner obligatorischen Geschirrspülung, diesen Job habe ich mir „angeeignet" und lasse ihn mir auch nicht nehmen. Die andern Jungs sorgen dafür für das Schiff... Übrigens gab es feine Eierpfannkuchen! Jürgen , Erwin und ich machen einen weiteren Besuch in der Stadt, gehen hinauf zum Dover-Castle , es lohnt aber wegen der Zeit nicht, die Festung zu besuchen, schade eigentlich.

Aber für einen Besuch des Museums reicht es noch, interessant ist das Bronzezeit-Schiff, ein Fund aus den letzten 10 Jahren, stammt aus etwa 1550 vor Christi, ein sehenswertes Teil.

Rechtzeitig für die Samstag um 17 Uhr vorgesehene Ausfahrt mit Ziel Brighton finden wir uns wieder an Bord ein. Pünktlich legt die „Karma" ab ,mit Segeln ist es aber nichts: Es muss mit Motor gefahren werden. Was vor allem bei den Nachtfahrten gut ankommt ist Alans „Sevice": Ein Bounty, Snikkers, Mars, Kaugummi, Kuchen , Kaffee und heiße Schokolade, er weiß uns die Zeit zu verkürzen. Auch mal eine Erbsensuppe mit Würstchen ist im Angebot! Eine Regenwand zieht vorbei, ohne uns zu berühren , ab19 Uhr ist richtig gutes Wette angesagt.

Wer angefangen hat , lässt sich nicht feststellen, jedenfalls wird ab 21 Uhr kräftig gesungen. Da Alan viele Jahre in Shanty-Chören gesungen hat, davon auch lange Zeit in Nienstedt bei der „Frischen Brise" ,kann er mit vielen Liedern unseren Gesang bereichern. Aber auch alle anderen Bereiche der Musik werden bedient. Bis gegen 12.30 Uhr nachts dauert dieses „Konzert" ,- ein wahrhaft großes Erlebnis und ein unvergessliche Abend! Außer Erwin und mir legen sich alle ein wenig schlafen, wir beide machen „durch". Ab 4 Uhr ist es mit dem guten Wetter vorbei und es mieselt. 6 Uhr früh am Sonntag legen wir im Hafen von Brighton an.

Da erfahren wir vom Skipper, dass es in Sharm el Sheik einen Anschlag mit über 80 Toten gegeben hat: Damit ist unser geplanter Urlaub dort wohl erledigt..

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Sonntag, 24. Juli 2005: Brighton.

Nachdem der Anlegeplatz um 6 Uhr erreicht und an Bord alles klar ist bittet Alan zum Willkommensbier im Salon, dazu werden die von Jürgen geschmierten Toastbrote als erstes Frühstück gereicht. Danach wird ab 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr „Nachtruhe" verordnet und anschließend serviert Alan ein gutes englisches Frühstück mit gebratenem Speck, Rührei, Champignons mit Toast und diverser Marmelade etc. Begleitet wird diese Aktion schon seit dem frühen Morgen mit Regen , der an die Scheiben prasselt. Ab 16 Uhr klart das Wetter auf und man kann die nassen Klamotten der letzten Nacht aufhängen.Der Anblick gleicht einem Waschtag im Flüchtlingslager...

Eine besondere Szene vom vorherigen Tag: Nachdem Alan Erbsensuppe mit Würstchen serviert hat wird Jürgen gebeten den Topf über die Reling liegend im Meer abzuwaschen. Es ist schon ein toller Anblick, wie er da bäuchlings auf dem Deck liegt und diese Aktion ausführt. Dazu gibt es auch lustige Fotos..

Den späten Nachmittag nutzen Jürgen, Erwin und ich zu einem Besuch der Strandpromenade von Brighton , zurück an Bord wird an Deck eine Stunde Skat gespielt. Zum Abendessen hat „Chefkoch" Alan Schweinesteak mit buntem grünen Salat breitet, dazu Toast, Wurst, Schinken etc. Womit am gestrigen Abend begonnen wurde wird anschließend im Salon fortgesetzt : Alan hat seine Liedermappe der „Frischen Brise" aus Nienstedt herausgeholt, außerdem noch Liederhefte mit Texten, so dass ein fröhlicher (und hoffentlich guter) Gesangsabend die umliegenden Schiffe verwöhnte. Ende und Schlafenszeit: 23 Uhr.

Montag, 25. Juli 2005 .Das Tagesziel: Portsmouth

Nachdem bis 9 Uhr geschlafen und lange gefrühstückt wurde haben wir noch Zeit für einen Landbummel, kurz nach Mittag werden um 13.30 Uhr die Leinen losgemacht zur Fahrt nach Portsmouth, dort ist auch Alans Vater zu Hause. Bis 19 Uhr kommen wir unter Segeln ganz gut vorwärts, zwischendurch von Alan mit kleinen Snacks verwöhnt, unter Anderem mit leckerer Suppe, doch der Wind flaut ab und es muss auf Motorbetrieb umgestellt werden. So wird um 22 Uhr der Hafen von Gosport erreicht, so heißt der Ort, der in der langen Bucht gegenüber von Portsmouth liegt und durch stark genutzte Fähre verbunden ist. Der Abend verklingt mit Abendessen, einem Grog, etwas Klönen, um Mitternacht gehen die Lichter aus.

Dienstag, 26.Juli 2005 Besuch bei Nelson.

Der Vormittag nimmt seinen normalen Verlauf. Um 11 Uhr bringt Alan uns 4 zur Fähre, unterwegs treffen wir den Vater, der zu Besuch kommt und den Tag mit seinem Sohn verbringen will. Eine lustige Geschichte: Alan wollte eigentlich im Juli mit seinem Vater zum Empfang bei der Königin gehen, der war als Veteran eingeladen und wurde gefragt, ob er jemanden mitbringen wolle. Aber stolz wie er nun war sagte er, er brauche niemanden, das könne er schon allein-! Damit ist Alan um die Audienz gebracht worden. Dumm gelaufen...

Unser heutiges Ziel ist die „Victory", das Flaggschiff von von Lord Nelson, als der mit seiner Flotte die gemeinsamen Verbände Frankreichs und Spaniens am 5. Oktober 1805 bei Trafalgar (in der Nähe von Gibraltar) entscheidend besiegte und Großbritannien damit die Macht auf den Weltmeeren sicherte. Leider wurde er am Ende der Schlacht von einer feindlichen Kugel getroffen und starb an Bord des Schiffes, nachdem er noch den Sieg seiner Flotte erlebt hatte.

Das Schiff ist in hervorragendem Zustand und wir verbringen viel Zeit mit der Besichtigung. Beeindruckend die riesigen Kanonen, die Kugeln, deprimierend aber die Umstände , unter denen die Soldaten seinerzeit gelebt haben. Erwin und Hubert besuchen noch ein weiteres Schiff, Jürgen und ich machen einen Bummel durch die Einkaufsgalerien, essen einen (Gummi)-Hamburger, trinken Kaffee , beim Italiener gönnen wir uns ein Pint (0,58 l) Bier und beobachten wie ein Mann an einem Seil mit eigener Kraft an dem ca. 20-30 m Hafendenkmal hochklettert. Um 18 Uhr melden wir uns wieder an Bord zurück. Zum Abend wieder eine Überraschung vom Skipper:. „Chilli con carne" mit Reis, schön scharf, so dass etliche Dosen Bier dran glauben müssen. Danach beginnt Erwin damit, Alan das Skatspielen beizubringen, es wird bis 1 Uhr nachts gespielt.

Mittwoch, 27.Juli 2005 Ein Tag in Portsmouth.

Lange schlafen und lange frühstücken, damit kennen wir uns schon aus, auch mit dem was geboten wird: Champignons, Rührei, Speck. Anschließend großes Saubermachen, es scheint irgendwo Diesel ausgelaufen zu sein, jedenfalls riecht es so. Matten werden gewaschen, es wird gelüftet. Um 12 Uhr geht es erneut zur Fähre, Alans Vater ist inzwischen wieder da, Jürgen und ich gehen in die Stadt, die beiden anderen wollen noch Besichtigungen machen. Aber das Wetter ist derart beschissen, dass wir bald umkehren und in Gosport in einem Imbiss Hähnchen mit Chips essen. Ab 15 Uhr wieder am Schiff, später mit Alan noch einmal einkaufen. Bei verschiedenen Tageszeiten mache ich Bilder von den Stegen im Hafen, um die unterschiedliche Wasserhöhe zu dokumentieren, richtig interessant. Interessant auch wieder das Abendessen: Alan hat ein große Schüssel bunten Salat gemacht, dazu gibt es riesige Koteletts, weil er nur eine Flamme hat kommt das Fleisch nacheinander, ein richtig gutes Essen! Dazu erstklassige Kartoffeln.

Donnerstag, 28. Juli 2005. Zurück nach Dover.

Heute heißt es früh aufstehen, denn schon um 10 Uhr legen wir ab in Richtung Dover. Der morgendliche Regen hat sich verzogen es klart auf und bei Sonnenschein segelt die „Karma" zügig dahin. Ab 15 Uhr allerdings stellt der Wind den Betrieb ein und es geht unter Motor weiter. Zu Mittag müssen unsere Brote dran glauben, später bei Kaffee und Kuchen lassen wir es uns gut gehen. Ein richtig schöner Segeltag, wenn auch mit Motor. In seiner Küche hat unser Chefkoch abends Reis mit Curryfleisch gezaubert, das im Cockpit verzehrt wird.

Als Brighton passiert wird sehen wir vor uns die langen Kreidefelsen in der Abendsonne schimmern. Zur Landspitze hin ziehen sie sich hin und werden im Volksmund „Die 7 Schwestern" genannt. Dort auf der Spitze wohnte Alan 1983 für einige Monate, sah unter sich die Segelboote fahren und sagte sich. „Ich will künftig segeln, und zwar einmal rund um die Welt!" obwohl er bis dahin noch nie gesegelt war. Er hat sich diesen Traum erfüllt und uns oft interessante Erlebnisse zu Gehör gebracht.

Weiter geht die Fahrt, wir erleben einen bezaubernden Sonnenuntergang und fahren in die Nacht hinein. Auf unserem Lager räume ich um Mitternacht einige Taschen beiseite und lege mich dazwischen schlafen, bis morgens um 6 Uhr. Um 7 Uhr hat uns Dover wieder.

Freitag, 29. Juli 2005 Ein Tag in Dover

Zunächst wird bis Mittag geschlafen, dann ist Körperpflege angesagt, wieder ein gutes Frühstück am Nachmittag , noch ein Stadtbummel und ein gemütlicher Abend.

Übrigens : An diesem Abend hat Alan ein besonderes Menue bereitet: Indischen Curry-Reis, wie er in Ostafrika in den Offizierskantinen der Briten gereicht wurde. Die Inder sind früher nach Ostafrika gegangen, dort waren auch die Engländer und haben diese Art von Curry-Essen gelernt.

Samstag, 30.Juli 2005: Unsere „Rekordfahrt" .

Die Nacht ist kurz: 3.45 Uhr aufstehen, kurze Wäsche, Jürgen hat bergeweise Brote zubereitet für den Tag. Der Start erfolgt um 5 Uhr. Und das ist auch der Start zu einem einmaligen Törn! Bei gutem Wind geht es zunächst schräg zum Wind (man verzeihe mir die z.T. laienhaften Ausdrücke!), danach haben wir den Wind im Rücken, die „Genua" wird „ausgebaumt"und unser Boot sieht von hinten aus wie ein Schmetterling mit den Segeln rechts und links, aber es macht schnelle Fahrt in Richtung Zeebrügge. Unter diesen Bedingungen sind wir sehr schnell: Nach 12,5 Std. laufen wir in Zeebrügge ein-Rekord!! Alans schnellste Fahrt bisher war 14 Std., insgesamt war er bis dahin 14 Mal diesen Weg gesegelt. Dass wir behaupten, das läge allein an seiner tollen Crew,--Alan trägt es mit Humor.

Hier noch die eingangs versprochene Erklärung zu Seetoilette: Wenn das Schiff richtig schräg liegt ist da folgender „Ablauf": Zunächst absteigen ins Innere des Schiffs, Rettungsweste ablegen, Anorak ausziehen, Gummihose, Jogginghose und Unterhose „absenken",--in gebückter Haltung sich dem Tatort nähern; nach getaner „Verrichtung" 3 Hebel umlegen, spülen durch Pumpen, die 3 Hebel wieder in Ausgangsstellung, nochmals pumpen und den Tatort wieder verlassen. Danach alles wie beschrieben- nur umgekehrt! Da wird so ein Gang lange vor sich hergeschoben...

Die „Karma" parkt direkt an der Tankanlegestelle, wir wollen am nächsten Morgen schnell mit dem Tanken fertig sein. Den Rest des Tages verbringen wir in gemütlicher Runde bei einer Dose Bier und angeregter Unterhaltung, es fehlt zwar Strom, aber das stört nicht viel.

Sonntag, 31. Juli 2005 Ende gut-alles gut!

Die letzte Etappe nach Vlissingen beginnt am Sonntag um 9.15 Uhr , die ersten 2 Stunden regnet es, dann hört es auf . Nach 3 Stunden warten wir vor der Schleuse in Vlissingen auf Einlass. Erst um 13.30 Uhr fahren wir ein und werden in den Hafen „entlassen". Hier parkt die Karma mit dem Bug zum Anlegesteg, das bedeutet einen hohen Abstieg, aber mit Hilfe einen Hockers klappt das ganz gut. Hier gibt es endlich auch ein Gruppenfoto der gesamten Besatzung. Nachdem einige Zeit vertrödelt ist, wird ab 16 Uhr für 2 Stunden Skat gespielt, Alan ist mit Feuer und Flamme dabei...

Am Abend gehen wir noch einmal ins Hafenrestaurant zum Essen, bleiben noch dort bis 23 Uhr, um den Abend an Bord mit Shantys und Seemannsliedern zünftig zu beschließen.

Montag, 1. August 2005 Heimfahrt.

Der letzte Morgen ist mit Aufräumungsarbeiten, Packen und Verstauen des Gepäcks im Auto ausgefüllt. 11.15 Uhr heißt es Abschied von unserem Skipper zu nehmen. Für uns gehen 2 abwechslungsreiche schöne Wochen zu Ende, die auf jeden Fall ich so schnell nicht vergessen werde. „Ich werde zwar nie ein richtiger Seemann werden, aber diese Fahrt habe ich so richtig genossen. Ich freue mich, dass ich diese Erfahrung machen durfte!"

Mit diesen Worten bedanke ich mich hiermit noch einmal ausdrücklich bei dem Skipper Alan Tyson-Carter für dieses Erlebnis...

Ach ja, nach Hause sind wir auch gefahren, um 17 Uhr am Montag haben wir Springe erreicht.

 

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